Wer braucht die Formel 1 in Indien?

30. Oktober 2011

Eine “tolle” Szenerie abseits von all dem Glamour, der in Europa zur Schau gestellt wird, können Formel-1-Beobachter und Fans in Indien erleben. Zugegeben, eine recht kritische Betrachtung.

Vor den Toren der Rennstrecke in Greater Noida stehen Heilige Kühe tief im Dreck, passend zur Atmosphäre aus Nebel, Smog und Gestank – Weltuntergangsstimmung. Streunende und halbverhungerte Hunde auf der verschmutzten Rennstrecke sorgen nicht gerade für mehr Sicherheit der Piloten. Die (zahlreichen?) Zuschauer werden durch nicht funktionierende sanitäre Anlagen, unerträglichen Gestank und andere schwerwiegende Mängel vergrämt. Über die Armut und Lebensumstände der Bevölkerung abseits der Veranstaltung soll hier gar nicht erst geschrieben werden.

Die Bauern, auf deren Gründen die Rennstrecke gebaut wurde, fühlen sich betrogen. Und anstatt Infrastrukturprojekten, die den Aufschwung der Region und zahlreiche Arbeitsplätze ermöglichen sollten, regiert das Chaos und sonst tut sich kaum etwas. „Für dieses Spiel mit schnellen Autos, das für die Elite ist, wurde Landwirten die Lebensgrundlage geraubt.“ Die Regierung will offenbar auf Kosten der Bevölkerung und im Besonderen der dort ansässigen Bauern ein Spektakel veranstalten, das Indien als modernes und aufstrebendes Land abseits von Schlangenbeschwörern und Puppenspielern darstellen soll…

Da stellt sich wirklich die Frage: Wer braucht die Formel 1 in Indien? Vielleicht schwenkt eine der Fernsehkameras einmal zufällig neben die vollbesetzten Tribünen und zeigt andere Streckenabschnitte und andere Tribünen, die eigentlich nicht ins Bild kommen sollen. Dann wird man etwas sehen, was auch auf anderen asiatischen Grand-Prix-Strecken zu sehen ist – nichts! Die Tribünen sind so gut wie leer, auf den Stehplätzen finden sich nur vereinzelt Zuschauer. Wer soll sich das auch leisten können? Die billigste Karte kostet umgerechnet 35 Euro, die teuerste 500 Euro. Bei einem Durchschnittsverdienst der heimischen Bevölkerung von ungefähr 750 Euro – im Jahr!

Gut ins Bild passte auch noch der Stromausfall bei der offiziellen Pressekonferenz. Die Formel-1-Stars saßen im Dunkeln…

Übrigens: Die Rennfahrer sind begeistert von der neuen Rennstrecke und Sebastian Vettel fuhr Trainingsbestzeit. Nachtrag: Und gewonnen hat er auch.

Richtig interessant wurde auch das Metallica-Konzert, das als Rahmenprogramm geplant war. Es wurde nämlich aufgrund technischer Probleme abgesagt. Die Fans randalierten anschließend und zerstörten die Bühnentechnik. Davon gibt es auch ein Video.

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